WISSEN UND ORIENTIERUNG

Impfungen bei Lungenerkrankungen verstehen

Wenn um Sie herum gehustet und geschnieft wird, kann das mit einer Lungenerkrankung beunruhigen. Welche Impfungen können schützen? Was sollten auch Menschen in Ihrem Umfeld wissen? Hier finden Sie Orientierung für ein Gespräch in Ihrer Praxis, ohne Druck und passend zu Ihrer Situation.

Das Wichtigste in 60 Sekunden

Impfungen behandeln eine Lungenerkrankung nicht. Sie können das Risiko bestimmter Infektionen und schwerer Verläufe senken. Bei der Bronchiektasen-Erkrankung können Atemwegsinfekte eine Verschlechterung auslösen. Der Fachbegriff dafür ist Exazerbation. Eine Impfung kann nicht sicher verhindern, dass Beschwerden schlimmer werden. Welche Impfungen empfohlen sind, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab. Auch Angehörige können ihren Impfstatus prüfen lassen.

Was passiert bei einer Impfung im Körper?

Eine Impfung bereitet die Abwehr auf einen bestimmten Krankheitserreger vor. Trifft der Körper später auf diesen Erreger, kann er schneller reagieren. Je nach Impfstoff kann eine Erkrankung dadurch ausbleiben oder milder verlaufen. Wie gut und wie lange der Schutz anhält, ist unterschiedlich.

Nach einer Impfung können zum Beispiel Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit oder Fieber auftreten. Solche Impfreaktionen klingen meist nach wenigen Tagen ab. Schwere Nebenwirkungen sind selten. Fragen und Sorgen dürfen Sie im Impfgespräch offen ansprechen.

Quelle: Paul-Ehrlich-Institut: Häufige Fragen zu Impfstoffen.

Totimpfstoff oder Lebendimpfstoff: Was ist der Unterschied?

Diese Wörter beschreiben, wie ein Impfstoff aufgebaut ist. Sie sagen nicht, dass der eine grundsätzlich besser oder verträglicher ist. Beide bringen dem Immunsystem bei, einen Erreger zu erkennen.

Totimpfstoff: kein vermehrungsfähiger Erreger

Ein Totimpfstoff enthält inaktivierte Erreger oder nur Teile davon. Sie können sich im Körper nicht vermehren und die Krankheit, gegen die geimpft wird, nicht auslösen. Die üblichen Grippeimpfungen als Spritze gehören dazu. Nach der Impfung können trotzdem Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit oder Fieber auftreten: Das ist eine mögliche Reaktion des Immunsystems.

Lebendimpfstoff: ein stark abgeschwächter Erreger

Ein Lebendimpfstoff enthält abgeschwächte, noch vermehrungsfähige Erreger. Ein Beispiel ist das Grippe-Nasenspray für Kinder und Jugendliche von 2 bis 17 Jahren. Auch dabei können Impfreaktionen auftreten, etwa Beschwerden an der Nase oder Fieber. Bei einer Immunschwäche ist dieser Nasenspray-Impfstoff nicht geeignet; auch bei schwerem Asthma gelten besondere Vorsichtsregeln. Wenn ein Kind mit einer stark immungeschwächten Person zusammenlebt, sollte die Familie die Impfstoffwahl vorher in der Kinderarztpraxis besprechen.

Wichtig: Art und Stärke einer Impfreaktion lassen sich nicht allein aus „tot“ oder „lebend“ vorhersagen. Auch Alter, Gesundheitszustand und der konkrete Impfstoff spielen eine Rolle. Die Bronchiektasen-Erkrankung bedeutet nicht automatisch eine Immunschwäche. Andere Erkrankungen oder Medikamente können die Impfstoffwahl aber beeinflussen. COVID-19-mRNA-Impfstoffe enthalten keinen vermehrungsfähigen Erreger. Sie sind keine Lebendimpfstoffe und werden bei einer Immunschwäche hinsichtlich der Sicherheit wie Totimpfstoffe bewertet.

Quellen: Paul-Ehrlich-Institut: Impfstoffarten, RKI: Grippeimpfung bei Grunderkrankungen und RKI: COVID-19-Impfstofftypen.

Welche Impfungen sind bei Lungenerkrankungen besonders im Blick?

Die deutsche Leitlinie zur Bronchiektasen-Erkrankung empfiehlt, den Impfstatus zu überprüfen. Für die einzelnen Impfungen gelten die aktuellen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission, kurz STIKO. Nicht jede Empfehlung trifft auf jede Person zu.

Grippe (Influenza)

Nicht jeder Husten ist eine Grippe. Eine echte Grippe kann Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen besonders belasten. Die STIKO empfiehlt die jährliche Grippeimpfung für diese Gruppe. Sie ist ein möglicher Schutz vor der Grippe und ihren Folgen, aber keine Garantie, dass sich die Bronchiektasen-Erkrankung nicht verschlechtert.

Pneumokokken

Diese Bakterien können schwere Infektionen wie eine Lungenentzündung verursachen. Bei chronischen Lungenerkrankungen kann eine Impfung empfohlen sein. Frühere Impfungen sind für die Planung wichtig.

COVID-19

Für bestimmte Gruppen mit höherem Risiko empfiehlt die STIKO eine regelmäßige Impfung. Ob Ihre Erkrankung und Ihre persönliche Situation darunterfallen, sollte individuell geprüft werden.

RSV

Dieses Virus kann die unteren Atemwege belasten. Die STIKO empfiehlt die Impfung ab 75 Jahren sowie im Alter von 60 bis 74 Jahren bei einer schweren Grunderkrankung oder bei Leben in einer Pflegeeinrichtung. Eine Lungenerkrankung allein bedeutet also nicht automatisch eine RSV-Impfempfehlung.

Warum gibt es verschiedene Impfstoffe?

Eine Impfung ist keine Entscheidung für einen Produktnamen. Entscheidend sind Alter, Erkrankungen, frühere Impfungen und die aktuelle Empfehlung. Diese drei Unterschiede helfen bei der Orientierung:

Grippe: Standard, Hochdosis oder Wirkverstärker?

Grippeviren verändern sich. Deshalb wird die Zusammensetzung des Impfstoffs für jede Saison neu festgelegt und die Impfung jährlich empfohlen. Für die Saison 2026/2027 enthält der Impfstoff Bestandteile von drei erwarteten Viruslinien. Für Menschen unter 60 Jahren kommt bei entsprechender Empfehlung meist ein Standardimpfstoff infrage. Ab 60 Jahren empfiehlt die STIKO entweder einen Hochdosisimpfstoff oder einen Impfstoff mit einem Wirkverstärker (MF59). Beide sollen die mit dem Alter schwächer werdende Immunantwort besser anregen. Bei Kindern von 2 bis 17 Jahren kann unter bestimmten Voraussetzungen auch ein Nasenspray möglich sein. Ob es bei einer Grunderkrankung geeignet ist, muss die Kinderarztpraxis prüfen.

COVID-19: Warum werden Impfstoffe angepasst?

Auch das Coronavirus verändert sich. Impfstoffe werden deshalb an neue Virusvarianten angepasst. Es gibt zugelassene mRNA-Impfstoffe (sie geben dem Körper eine Bauanleitung für ein ungefährliches Erkennungsmerkmal des Virus) und proteinbasierte Impfstoffe (sie enthalten dieses Erkennungsmerkmal bereits). Die STIKO empfiehlt 2026 eine jährliche Auffrischung im Spätsommer oder Frühherbst für Menschen mit erhöhtem Risiko, darunter bestimmte chronische Atemwegserkrankungen. Ob das für Sie gilt, sollte die Praxis anhand Ihrer Erkrankung und Ihrer letzten Impfung oder Infektion prüfen.

RSV: Muss diese Impfung jedes Jahr erneuert werden?

Nein. Die STIKO empfiehlt derzeit eine einmalige RSV-Impfung ab 75 Jahren. Zwischen 60 und 74 Jahren gilt sie bei einer schweren Grunderkrankung oder beim Leben in einer Pflegeeinrichtung. Es gibt proteinbasierte und mRNA-Impfstoffe. Die STIKO bevorzugt keinen dieser Impfstoffe generell. Eine Bronchiektasen-Erkrankung allein macht die RSV-Impfung nicht automatisch nötig. Entscheidend ist das individuelle Risiko.

Quellen: RKI: Grippeimpfstoffe, Paul-Ehrlich-Institut: Saison 2026/2027, RKI: COVID-19 und RKI: RSV.

Wenn ein Mensch in der Familie besonders gefährdet ist

Nicht jeder Infekt verläuft schwer. Aber Atemwegsinfekte können eine bereits belastete Lunge zusätzlich beanspruchen. Angehörige fragen sich vielleicht: Was können wir gemeinsam tun, damit möglichst wenige Infekte nach Hause kommen? Die STIKO empfiehlt die Grippeimpfung auch Menschen, die eine Risikoperson im selben Haushalt anstecken könnten.

Ob Sie sich impfen lassen, ist Ihre eigene Entscheidung. Sie können Ihren Impfstatus und Ihre Fragen in der Praxis besprechen. Die Impfung ist ein Baustein des Schutzes, kein vollständiger Schutzschild. Wer erkältet ist, kann Besuche verschieben, Abstand halten und mit der betroffenen Person absprechen, was ihr Sicherheit gibt. Nicht für jede Impfung gelten für Angehörige dieselben Empfehlungen.

Kleine Schritte für die Infektzeit

Vorbeugung bedeutet nicht, jeden Kontakt zu meiden. Sie können mit wenigen Gewohnheiten das Risiko im Alltag verringern und zugleich am Leben teilnehmen:

  • Regelmäßig kurz und kräftig lüften, besonders wenn mehrere Menschen in einem Raum sind.
  • Hände mit Wasser und Seife waschen, vor allem nach dem Heimkommen und vor dem Essen.
  • Bei Husten oder Schnupfen Besuche verschieben oder offen sagen, dass Sie Abstand brauchen.
  • In vollen Innenräumen oder bei vielen Atemwegsinfekten kann eine gut sitzende Maske ein zusätzlicher Schutz sein.
  • Mit Familie oder Freunden besprechen, wie Sie bei Krankheit im Haushalt Rücksicht aufeinander nehmen.

Wenn Sie sich deutlich schlechter fühlen als sonst, nutzen Sie Ihren persönlichen Aktionsplan und holen Sie bei Bedarf ärztlichen Rat ein. Diese Schritte ergänzen Impfungen. Sie ersetzen sie nicht.

Quelle: RKI: Schutz vor Atemwegsinfektionen.

Und was ist mit anderen Impfungen?

Auch der übliche Impfschutz bleibt wichtig, etwa gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten. Je nach Alter oder persönlichem Risiko können weitere Impfungen dazukommen, zum Beispiel gegen Gürtelrose. Die Leitlinie zur Bronchiektasen-Erkrankung nennt auch die Prüfung weiterer Impfungen je nach Immunstatus.

Hepatitis ist nicht automatisch ein Lungenthema

Eine Hepatitis-B-Impfung wird Erwachsenen vor allem bei bestimmten zusätzlichen Risiken empfohlen. Eine chronische Lungenerkrankung allein ist keine allgemeine Hepatitis-B-Indikation. Bei Reisen, bestimmten Berufen oder weiteren Erkrankungen können andere Empfehlungen wichtig werden.

Was bedeutet das für mich persönlich?

Mit Ihrem Impfpass und diesen Fragen lässt sich das Gespräch gut vorbereiten:

  1. Welche Impfungen sind bei mir bereits dokumentiert und welche fehlen?
  2. Welche Empfehlungen gelten für mein Alter und meine Lungenerkrankung?
  3. Ändern weitere Krankheiten oder Medikamente die Empfehlung?
  4. Wann wäre der passende Zeitpunkt und was muss ich über mögliche Reaktionen wissen?
  5. Was kann ich zusätzlich im Alltag tun, ohne mich unnötig einzuschränken?

Eine geschwächte Immunabwehr oder Medikamente, die das Immunsystem bremsen, können besondere Regeln bedeuten. Lassen Sie deshalb nicht nur eine Liste abhaken, sondern Ihre persönliche Situation prüfen.

Häufige Fragen

Kann eine Grippeimpfung eine Verschlechterung sicher verhindern?

Nein. Sie richtet sich gegen Influenza, nicht gegen alle Atemwegsinfekte. Ein Infekt kann Beschwerden verstärken und eine Exazerbation auslösen. Die Impfung kann vor Influenza schützen und das Risiko schwerer Folgen senken, ersetzt aber keinen persönlichen Plan für Verschlechterungen.

Ich bin bei Impfungen unsicher. Wie treffe ich eine Entscheidung?

Das ist verständlich. Gerade seit der COVID-19-Zeit wurden Impfungen sehr intensiv diskutiert. Sie dürfen nach Nutzen, möglichen Impfreaktionen, seltenen Risiken und Alternativen fragen. Für eine gute Entscheidung zählen Ihre Vorerkrankungen, Ihr Alter und Ihre Erfahrungen. Eine Praxis sollte Ihre Fragen ernst nehmen und mit Ihnen abwägen. Vorbeugung heißt nicht: Sie müssen alles tun. Es heißt: Sie kennen Ihre Möglichkeiten und können informiert entscheiden.

Verhindert eine Impfung jeden Infekt?

Nein. Der Schutz ist je nach Impfung unterschiedlich und nie vollkommen. Impfungen können dennoch das Risiko einer Erkrankung oder eines schweren Verlaufs senken. Atemtherapie, Hygiene und Ihr persönlicher Behandlungsplan bleiben wichtig.

Gelten für Kinder dieselben Empfehlungen wie für Erwachsene?

Nein. Alter und Vorerkrankungen spielen eine Rolle. Lassen Sie bei Kindern und Jugendlichen den Impfpass in der Kinderarztpraxis oder mit dem Behandlungsteam prüfen.

Was ist, wenn mein Impfpass unvollständig ist?

Bringen Sie alle vorhandenen Unterlagen mit. Die Praxis kann prüfen, welche Impfungen dokumentiert sind und ob etwas nachgeholt werden sollte.

Verlässliche Quellen

Redaktioneller Stand und Quellenprüfung: 29. September 2026. Diese Seite bietet Orientierung. Sie ersetzt keine individuelle Impfberatung oder medizinische Behandlung.